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Lizentiatsprüfungen

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Lizentiatsprüfungen

LIZENTIATSPRÜFUNG IN ENGLISCHER LITERATUR
BEI PROF. DR. ELISABETH BRONFEN


MERKBLATT

Textblöcke

• Studierende, die ihre Lizentiatsprüfung bei mir ablegen, haben die Möglichkeit, Texte der Lizentiats-Leseliste so zu gruppieren, zu ergänzen und eventuell auszu-tauschen, dass sich drei bis vier Textblöcke ergeben. Zusammen sollen die Textblöcke ca. 30 Primärtexte abdecken.

• Die Textblöcke können aufgrund der folgenden Kriterien zusammengestellt wer-den:
o Periode (z.B. Romanticism, Modernism);
o Genre (z.B. tragedy, Gothic, crime fiction);
o Werk (z.B. Gesamtwerk von Jane Austen);
o Thema (z.B. “mothers”, “conspiracies”).

• In den meisten Fällen werden sich die Spezialgebiete aus einer Kombination der genannten Kriterien ergeben wie beispielsweise: “Cross-dressing in Shakespeare’s Comedies”, “Crisis in Paternity in Gothic Fiction”, “Doppelgänger from 1800 to the Present”, “Women Novelists (19th & 20th cent.): Female Subjectivities” etc.

• Bedingung bei der Auswahl der Textblöcke ist, dass einer davon die Renaissance berücksichtigt. Die übrigen Textblöcke sollen jeweils im Hinblick auf die oben de-finierten Kriterien weitere sowohl thematisch und historisch ausreichend vone-inander abweichende Themengebiete abdecken.

• Der Umfang der Textblöcke muss mit mir abgesprochen werden und soll prin-zipiell genügend Stoff für das 45 Minuten (Hauptfach), bzw. 30 Minuten (Neben-fach) dauernde Prüfungsgespräch beinhalten.

• Zusätzlich zu den Listen der Textblöcke stellen Sie Bibliographien für die einzel-nen Textblöcke mit der von Ihnen berücksichtigten Sekundärliteratur und theore-tischen Texten zusammen.

• Sowohl die Auswahl der Textblöcke als auch deren Umfang müssen mit mir und/oder meinen Assistierenden abgesprochen werden, bevor Sie sich bei der Fakultät für die Prüfung anmelden.

Thesenpapers

• Für jedes Spezialgebiet bereiten Sie mindestens eine DIN-A-4-Seite mit Thesen vor.
• Achtung, folgende Aussagen sind KEINE Thesen:
o “points for discussion” wie z.B. “marriage in Jane Austen”;
o beschreibende Statements wie z.B. “Jane Eyre stellt eine rite de passage dar”;
o Fragen wie z.B. “What is the relationship between humanism and coloni-alism?”
• Eine These wird als “arguable claim” definiert, als Behauptung also, die eine Auseinandersetzung provoziert. (Immerhin dauert die Prüfung 30 bzw. 45 Min-uten!)

Folgende Beispiele würden somit unter die Definition der These fallen:

“Der Doppelgänger repräsentiert die verdrängten dunklen Seiten des Ichs”.

“All works of art negotiate the duality of absence and presence. The symbolic act of re-presentation requires first of all the absence of its object. Therefore, acts of re-resentation can make the promise of presence only because they feed on absence. All the selected poems thematize this mechanism. They circulate around the issues of presence and ab-sence, life and death, creation and loss, the emergence of the artist and the deanimation of the poetical objects. However, in thematizing this duality, they deploy different poetic strategies.”

“Fictive representations of gender are constructed as a result of conscious or unconscious choices of what is to be represented as normal or deviant. In their writing women novel-ists have represented not only proposals of norms of femininity and masculinity, but above all alternatives to these norms ranging from the celebration of positive versions of femininity to attempts to deconstruct the binary opposition of femininity and masculinity as they are currently defined.”

“King Lear ist die Geschichte einer willentlichen Destruktion der symbolischen Macht, die sich das Ziel setzt, die sedimentierten Formen der Gesellschaft aufzubrechen und das Feld für eine hegemonische (und in diesem Sinne kontingente) Intervention und damit eine Neustrukturierung der Macht zu bereiten. Die Radikalität von Lears Vorgehen besteht gerade nicht im Verstoss der Tochter, sondern im Verzicht auf ihre Liebe. In Shakespeares Darstellung ist Lear folglich ein König, der sich selber und die Bande der familiären Liebe opfert, um eine Reproduktion der Macht zu ermöglichen. Sein Wahnsinn lässt sich daher nur deuten als ein Akt der Selbstdestruktion, die im Verlauf des Stücks zur Zerstörung des body politic führt und Lear nichts als seine nackte Existenz lässt (“the thing itself”, III.4.95)”.

“The Shakespearean genres (comedy, tragedy, romance) can be defined according to the different ways in which they relate to the law, desire and memory. They are to be re-thought particularly in terms of how they do or do not insert a knowledge of the real into their symbolic order, whether – in other words – they are ethical in the Lacanian and Zizekian sense. Comedy is not an ethical genre as it presupposes the repression of a cer-tain traumatic knowledge at the heart of the heterosexual relation so that eventually the sexes can be united in marriage. Its solutions remain on the imaginary level of protective fictions. However, as they hold on to and in fact commemorate the traces of a different knowledge (“a discord in harmony”), figures such as Hippolyta and Titania can be seen as ethical figures in a non-ethical genre. In contrast to the protective delusion of comedy, tragedies are ethical as they lead up to a traumatic recognition. However, this moment of anagnorisis is fatal as it coincides with the subject’s destitution (the ethical act according to Lacan and Zizek). The third way out of the impasse of comedy’s imaginary delusion and tragedy’s fatal recognition is provided by the Shakespearean romance. The viability of this genre resides precisely in a mature willingness to re-negotiate unsettling, vexing and even traumatic matters as it traces simultaneously the recognition of one’s desire and a coming to terms with restricted conditions.”

“Gothic fiction negotiates crises in paternity and symbolic investiture (paternal figures of authority, i.e. representatives cannot fully assume their symbolic mandates). In so doing, Gothic literature reflects the epistemic shift which Foucault locates around 1800, notably the shift from aristocratic to bourgeois culture and the concomitant emergence of the modern nuclear family. At stake is thus a major cultural change in the organization of power, authority and the law. Gothic fiction demonstrates that new formations of power, authority and the law are troubled from the very moment of their inception and that they haunt the 19th century imaginary.”

• Die Thesenpapers müssen zusammen mit den Bibliographien bis spätestens 7 Tage vor der Prüfung als hardcopy (keine attachments!) zu mir nach Hause gesendet werden (Ottikerstrasse 18, 8006 Zürich).
• Die Thesenpapers dienen Ihnen zur Selbstkontrolle und mir, damit ich weiss, wofür Sie sich besonders interessieren. Die Thesenpapers bilden mögliche Aus-gangspunkte für das Prüfungsgespräch, was nicht bedeutet, dass nicht auch an-dere Fragestellungen thematisiert werden können. Falls die eingereichten Thesen nicht unter die obige Definition fallen, werden sie nicht Gegenstand der Prüfung sein.

Weiteres

Zusätzlich zu den Thesen gehe ich davon aus, dass Sie folgende Aspekte der von Ihnen ausgewählten Texte berücksichtigen können:

• genaue Textkenntnis (Erzählperspektive, Figurenkonstellation, Raum- und Zeitkonstellationen;
• Facts (z.B. Shakespearean stage);
• kulturgeschichtliche Situierung;
• Querverbindungen zwischen Texten;
• theoriegeleitete Reflexion (siehe von Ihnen eingereichte Bibliographien zu Sekundärliteratur und Theorie).

Prinzipiell soll weniger Fakten-Wissen abgefragt werden als vielmehr die Fähigkeit, Gedanken zu entwickeln, die eigene Position deutlich darzulegen, auf kritische Hinterfra-gungen einzugehen und die verwendeten Begriffe (z.B. Gattung wie Tragödie, theore-tische Konzepte wie gender) präzise zu definieren und einzusetzen.

Mai 2007

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